Offener Brief an Hydra

Offener Brief der DIANA-Initiative zum
Offenen Brief von Hydra e.V. zur Sendung
Menschen bei Maischberger: Ob Billigsex oder Edelpuff – schafft Prostitution ab!

Liebes Hydra-Team,

in Ihrem offenen Brief werfen Sie der Maischberger-Sendung eine „unerträglich tendenziöse“ Debatte zum Thema Prostitution vor. Sie untermauern diese Einschätzung unter anderem damit, dass der „Ehefrau eines Prostitutionskunden nicht nur eine Plattform gegeben wurde, um ihre verletzten Gefühle kundzutun, sondern (dass diese) auch jede Menge Unsinn zum Thema Huren, Sexarbeit und Kondombenutzung verbreitete“. Dies sei „Desinformation, moralistische Stimmungsmache und mediale Effekthascherei“.

Wir, eine Gruppe von Frauen, deren Männer über Jahre heimlich ins Bordell gingen, möchten zu Ihrer Darstellung wie folgt Stellung nehmen:

Mindestens so groß wie die Anzahl der vom Thema betroffenen Prostituierten ist die Zahl der Frauen, deren Männer heimlich ins Bordell gehen. Seit Jahrhunderten werden Ehefrauen im Bordell betrogen. Seitdem halten sie still und melden sich nicht zu Wort, falls sie überhaupt davon erfahren. Jeder Fernsehkanal wird mit Bildern von Huren, Freiern und Bordellen überflutet, das Internet quillt von entsprechenden Plattformen über. Wenn also Prostituierten eine Stellvertreterin in der Debatte zusteht, sollte das den betrogenen Ehefrauen ebenfalls zugestanden werden. Wir finden, es kann nicht angehen, dass die Millionen Frauen, deren Männer einen Sexakt kaufen, von einer solchen Diskussion ausgeschlossen werden. Wie würden Sie es finden, wenn diese Diskussion von Freiern und ihren Frauen geführt würde, ohne dass man Sie zu Wort kommen ließe?

Der angebliche „Unsinn“ über die Kondombenutzung ist schnell widerlegt. Seit Jahren gibt es im Prostitutionsgewerbe eine immer rascher voranschreitende Tendenz, Oral- und Geschlechtsverkehr ohne Kondom anzubieten. Die Auswirkungen durch die Ansteckung der ahnungslosen Partnerinnen sind unkalkulierbar. Falls Sie diese Tendenz leugnen möchten, werfen Sie bitte einen Blick auf nachfolgende Links, die nur einen klitzekleinen Ausschnitt der im Netz verfügbaren Angebote darstellen:

http://naturservice.thumblogger.com

http://www.ao-poppen.com/fette-hure-ohn …

http://naturservice.ist-scharf.net

http://www.tabulose-huren.com/forumdisp … f535a8f52a

http://www.taz.de/!5819/

http://sexaffaire.net/ao-sex.html

http://www.erobella.de/14842/details

Zur von Ihrer Seite angemahnten „Emotionalisierung des Themas“:
Wir kennen keine Themen, die mehr Emotionalität enthalten als Sex, Gewalt, Missbrauch und Gier. Um diese Themen geht es im Zusammenhang mit Prostitution, ebenso wie um den seit Jahrhunderten bestehenden Geschlechterkonflikt. Es ist unmöglich, Emotionen dort herauszuhalten. Es zu versuchen, würde das Bild verfälschen und dann so klingen wie die asiatische Frau bei „Herr Eppert sucht den Pornostar“, die mit verzerrtem Gesicht beteuerte, dass es ihr wirklich viel Freude mache, von 20 und mehr wildfremden Männern mit Sperma bespritzt zu werden – im Gesicht, auf dem Körper, im Mund.

Zum Thema “moralistische Stimmungsmache”:
Uns würde sehr interessieren, was genau Sie damit meinen. Meinen Sie, dass Frauen, die es nicht “geil” finden, sich von wildfremden Männern für Geld “bespringen” zu lassen, unverbesserliche Spießbürgerinnen sind? Oder gar, dass Frauen, die sich nicht als “sexgeile Dreilochstute” sehen, die sexuelle Revolution nicht verstanden haben können?

Sie kritisieren weiterhin die Vorurteile und Schreckensszenarien, die die öffentliche Wahrnehmung der Branche prägen, weil Informationen nur aus zweiter Hand präsentiert werden.
Da stehen wir auf derselben Seite. Schluss mit Diskretion, Geheimhaltung, Tarnung und Lügen. Wenn alle Prostituierten zu ihrer Tätigkeit stehen und ihre Kunden anhalten, dasselbe zu tun, muss es keine Vorurteile und Schreckensszenarien mehr geben. Nur das liefert Anlass zur Spekulation, was unter dem Deckel gehalten wird.

Sie schreiben: „Wir können die Sprachklischees nicht mehr hören, die besagen, dass „Männer Frauen kaufen“ oder dass wir „unsere Körper verkaufen“.
Das halten wir für eine unmögliche Forderung. Eine Tatsache, die unbestreitbar ist, ist kein Sprachklischee, sondern eine Wahrheit, die auch durch Umdefinieren nicht unwahrer wird. Wer den Sexakt für Geld verkauft, verkauft seinen Körper. Und Männer, die Frauen dafür bezahlen, kaufen Frauen. Das lässt sich nur schwer verschleiern.

Sie schreiben: „Wir haben es satt, dass man uns Blauäugigkeit unterstellt, wenn wir der Sexarbeit selbstbestimmt, gern oder wenigstens ohne größere Probleme nachgehen.“
Wir sagen: Nicht Blauäugigkeit, sondern Selbstbetrug. Das ist keine Unterstellung, sondern eine für jeden fühlenden Menschen erkennbare Tatsache, die überdies dazu führt, dass sich die von vielen Huren beklagte “Stigmatisierung” von Prostituierten und ihren Kunden bis heute gehalten hat.

Sie schreiben: „Wir empfinden es als eine Verletzung unserer Menschenwürde, wenn branchenfremde oder interessegeleitete „Expertinnen“ uns die Probleme regelrecht einreden.“
Was glauben Sie, wie verletzt die Menschenwürde von Ehefrauen ist, deren Männer heimlich ins Bordell gehen? Und die ahnungslos mit der Ansteckungsgefahr einer Geschlechtskrankheit leben müssen? Deren Familien u. U. auseinanderbrechen? Die in finanzielle Schieflage geraten, weil ihr sexsuchtkranker Mann jeden Cent ins Bordell trägt? Die unter PTBS leiden, wenn sie es irgendwann erfahren? Die – ebenso wie ihre Kinder – in seelische Abgründe stürzen? Die sich verraten, betrogen, belogen und missbraucht fühlen? Zählen sie diese nicht zur großen Gruppe der vom Thema Prostitution Betroffenen? Haben diese kein Recht auf Menschenwürde?

Sie schreiben: „Der Gipfel der Heuchelei aber ist, uns mit der Forderung nach einem Prostitutionsverbot die Existenzgrundlage unter den Füßen wegziehen zu wollen und dabei auch noch so zu tun, als sei dies in unserem Interesse.“
Da haben Sie vollkommen Recht. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Prostituierte von einer Alice Schwarzer quasi “entmündigt” werden. Sie sollten die volle Verantwortung für ihr Tun und ihre Tätigkeit übernehmen und weder per Gesetz bevormundet werden, noch nach dem Staat rufen, um ihre Situation zu verbessern. Respekt und Anerkennung sollten nicht per Gesetz verordnet werden, sondern sich als natürliche Folge entsprechender Leistungen oder Geisteshaltungen einstellen.

Sie schreiben, Sie brauchen Respektkampagnen.
Respektkampagnen wofür? Für Ihre Tätigkeit? Gibt es denn auch Respektkampagnen für Putzfrauen, Handwerker oder Verkäuferinnen? Wer sollte diese Kampagnen initiieren? Und zu welchem Zweck? Oder möchten Sie, dass wir Ihnen Respekt zollen dafür, dass Sie verheiratete Männer bedienen und damit dem Betrug an ihrer Partnerin Vorschub leisten?

Sie schreiben: „Die Prostitution ist Teil unserer sexuellen Kultur. Sie verbieten zu wollen ist nicht nur unrealistisch, sondern ein Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht aller, die ihr ohne Zwang und Gewalt nachgehen.“
Ein generelles Verbot der Prostitution halten wir auch für keine wirkungsvolle Lösung, allerdings stimmt Ihre Schlussfolgerung nicht. Ein Verbot würde nicht in die sexuelle Selbstbestimmung eingreifen, sondern lediglich den gewerblichen Handel mit dem Sexakt unterbinden. Sie könnten Sex haben, mit wem Sie wollen, Sie könnten nur kein Geschäft draus machen.
Sexuelle Selbstbestimmung heißt nicht nur: Ich darf promiskuitiv leben. Sexuelle Selbstbestimmung heißt auch: Ich darf mir aussuchen, ob ich einen promiskuitiven Partner will oder nicht. Eine Frau, die heimlich von ihrem Mann im Bordell betrogen wird, hat diese selbstbestimmte Wahl nicht.
Wenn wir als Menschen und als Kultur wachsen und reifen wollen, brauchen wir keine Prostitution, sondern klare, bewusste und reife Männer und Frauen, die in der Lage sind, eine reife, authentische Beziehung zu führen. Dieser Teil unserer sexuellen Kultur ist im Begriff, sich zu überholen.

Sie widersprechen Alice Schwarzer, wenn sie sagt „bei der Prostitution ginge es nicht um Sex, sondern um Macht.“
Wir möchten Alice Schwarzers Argumentation nicht 1 zu 1 zustimmen. Wir möchten sie erweitern: Bei der Prostitution geht es oft nur nebensächlich um den eigentlichen Sexakt. In den meisten Fällen geht es um Macht und/oder Ohmacht, um Sucht und Süchtige, um in ihrer Kindheit schwer verletzte Männer und Frauen, um Missbrauchserfahrungen (emotional wie körperlich), um Konfliktvermeidungsstrategien, um Gier, Rachegefühle und ein subtiles Belohnungs- und Bestrafungssystem, wie wir aus vielen Gesprächen mit unseren Männern und anderen Freiern wissen. Dass der oberflächliche Kontakt zwischen Prostituierten und Freiern durchaus “freundliche und respektvolle” Züge haben kann, wollen wir gar nicht in Abrede stellen. Ein Großteil der Freier sind “Muttersöhnchen”, beziehungsunfähig, weil sie ihre Wünsche und Bedürfnisse einer gleichberechtigten Partnerin gegenüber nicht äußern können. Diese Männer sind in der Regel respektvoll und freundlich im Umgang, weil sie nie lernten, gegen ihre eigene Mutter aufzubegehren.

Sie widersprechen der Aussage, Kunden gingen zu Prostituierten, weil sie unreif sind, ihre Partnerinnen zu selbstbewusst, weil sie sich Beziehungen entziehen und sich den Frauen nicht stellen wollten.
Freier bilden – äußerlich betrachtet – in der Tat eine heterogene Gruppe und ihre bewussten Motive mögen durchaus unterschiedlicher Natur sein. Was ihre inneren Motive betrifft, unterscheiden sie sich kaum voneinander. Ein Mann, der sich seiner Partnerin stellen kann, der Konflikte mit ihr austragen, Wünsche äußern und bewusst und zielstrebig an seiner Beziehung arbeiten kann, hat es nicht nötig, für den Sexakt zu bezahlen. In einer gesunden und intakten Beziehung HAT er den Sex, den er sich wünscht. Ein rein mechanischer Akt nach der Uhr und für Geld kann diesem Sex nicht das Wasser reichen. Ein Mann, der das erlebt hat, wird nie wieder zu Prostituierten gehen. Da dem Freier diese Erfahrung fehlt, kann er nur als unreif bezeichnet werden.

Zum Schluss möchten wir festhalten: Auch wir halten ein Prostitutionsverbot für wirkungslos.
Wir möchten auf etwas Anderes hinaus: Wir anerkennen durchaus, dass die Organisation Hydra und die ihr angeschlossenen Prostituierten ein Interesse daran haben, “sauber” zu arbeiten. Wir anerkennen ebenfalls, dass für Sie Oral- und Geschlechtsverkehr ohne Kondome und Dental Dams Tabus sind. Wir möchten hier den Vergleich mit dem Versicherungsgewerbe anführen. Dort gab es viele “schwarze Schafe”, die den rechtschaffenen Versicherungsmaklern durch den Imageverlust der gesamten Branche das Leben schwer machten. Der Gesetzgeber reagierte und erließ ein Gesetz, dass eine Dokumentationspflicht für Makler einführte. Wer dieser nicht nachkommt, kann von einem geprellten Kunden in Regress genommen werden. Da Sie selbstbestimmt arbeiten und den Markt “sauber” halten wollen, muss es in Ihrem Interesse liegen, für einen höheren Qualitätsstandard zu sorgen. Dieser sollte folgende Punkte enthalten:

1. Gesundheitsvorsorge: Keine sexuellen Handlungen ohne Kondom.
2. Sicherstellung, dass die sexuelle Selbstbestimmung anderer, indirekt beteiligter Menschen nicht verletzt wird, was im Klartext bedeutet: Kein Geschäft mit verheirateten/gebundenen Männern, die sich heimlich zu Ihnen schleichen wollen.
3. Keine Schwarzarbeit, sondern Zahlung gegen Quittung oder Rechnung, so wie in jedem anderen Dienstleistungsgewerbe auch.

Die saubere Einhaltung dieser Verantwortlichkeiten würde – da sind wir uns sicher – zu einer rasanten „Entstigmatisierung“ Ihres Gewerbes führen, Ihren Arbeitsalltag erleichtern und die Anerkennung für Ihre Tätigkeit automatisch nach sich ziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Die DIANA-Initiative

Meldung des Tages!!!!!

Aus gut unterrichteter Quelle ;-) weiß ich, dass es sich lohnen könnte, morgen die Bild-Zeitung zu kaufen!!!!!!

Mit Zahlen jongliert

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, ein paar Zahlen zusammenzutragen und auszuwerten. Wenn ich Zahlen vor mir sehe, bekommen die Dinge oft eine ganz andere Dimension.

Die Zahlen sind vom statistischen Bundesamt und aus Schätzungen verschiedener Institutionen, die sich mit dem Prostitutionsgeschäft befassen, gefunden zumeist im Internet. Wenn einige der Zahlen auch nur geschätzt sind, ergeben sie doch ein interessantes Gesamtbild.

Los geht’s:

>> Täglich gehen ca. 1 Mio. Männer zu Prostituierten. Das macht im Monat ca. 30 Mio.
>> Es gibt ca. 40 Mio. Männer in Deutschland. (Von mir) geschätzte 30 Mio. von ihnen sind geschlechtsreif.
>> Etwa jeder 2. Mann war schon mal bei einer Prostituierten. Das würde bedeuten, ca. 15 Mio. Männer gehen ca. 2x im Monat zu einer Prostituierten (darin sind natürlich die Männer mit enthalten, die 3x die Woche oder nur 6x im Jahr gehen).
>> Nach Umfragen von Hydra etc. und den Umfragen in Freierforen ist mindestens die Hälfte aller Freier verheiratet oder in Lebensgemeinschaften lebend. Das wären dann ca. 7,5 Mio.
>> Es gibt in Deutschland ca. 21,4 Mio. Lebensgemeinschaften (19 Mio. verheiratet, 2,4 Mio. zusammen lebend). Das würde bedeuten, dass etwa ein Drittel dieser Männer ins Bordell geht.
>> Von den 7,5 Mio. gebundenen Männern fliegen (wieder laut Umfrageergebnissen in Freierforen) etwa nur 30% auf. Das bedeutet: Etwa 5 Mio. (Ehe)frauen wissen gar nichts von “ihrem Glück”.

Wenn die alle wach werden…..

Neues Forum ist online

Seit heute ist ein neues Forum online, in dem ein übersichtlicherer Austausch stattfinden kann, als es hier im Blog möglich ist. Viele fleißige Bienchen haben dazu beigetragen, dass es schnell und unkompliziert ins Leben gerufen werden konnte. Dank an euch alle!!
>>> Zum Forum

Schlechter Sex ist gut für die Beziehung!!

Nicht ganz so krass, aber ähnlich provokant titelte brigitte.de in einem Interview mit David Schnarch - laut Ulrich Clement “einer der richtungsweisenden Sexualtherapeuten der Gegenwart” . Auch faz.net berichtete über Schnarchs “Bettratgeber für Paare, die Paare bleiben wollen”.

Seine Bücher “Die Psychologie sexueller Leidenschaft” und “Intimität und Verlangen” sind absolut empfehlenswert. Anhand vieler Beispiele aus seiner Praxis beleuchtet er die Dynamik, die zwischen Partnern besteht und die sich im Laufe der Beziehung im Bett Ausdruck verschafft. Differenzierung, selbstbestätigte und fremdbestätigte Intimität, die 4 Aspekte der Balance und das Spiegeln des Geistes sind nur einige hochinteressante Erkenntnisse, die er aus seiner jahrelangen Arbeit mit Paaren gewonnen hat. Und er theoretisiert nicht nur, sondern gibt ganz praktische “Übungen” an die Hand: Umarmung bis zur Entspannung, Küssen mit offenen Augen, Vorspiel mit offenen Augen und so weiter…… Alles will ich nicht vorwegnehmen…lesen Sie selbst.

Sein Fazit: Seien Sie froh, wenn es im Bett nicht mehr klappt, denn das eröffnet Ihnen die Möglichkeit, an sich zu arbeiten und zu wachsen.  Konflikte im Bett sind ein ganz normales Signal dafür, dass Ihre Beziehung und Ihr Partner sich verändern und wachsen möchten. Wenn Sie bereit sind mitzuwachsen, können Sie den Himmel auf Erden erreichen……..wenn nicht, kann das unter Umständen zur Trennung führen.

Thema verschenkt!

Den frau TV-Beitrag des heutigen Abends mit dem Titel “Mein Mann geht ins Bordell” möchte ich mal – gelinde ausgedrückt – als thematisch verschenkt bezeichnen.

Hochachtung vor Regina und Klaus, die offen und authentisch über die Probleme und Gefühle sprechen, die in Ihrer Beziehung durch seine Bordellbesuche entstanden sind. Doch die zentralen Themen ihrer inneren Achterbahnfahrt sind dem Cut der Redakteurin zum Opfer gefallen. Manche, nicht den gängigen Klischees entsprechende Aussage, ging in der “Zensur” unter. Das kann nur einer Redakteurin passieren, die sich auf das Thema entweder nicht einlassen will, unter Zeitdruck steht, deren eigenes Klischeedenken die Thematik überlagert oder die an tief- und hintergründiger Berichterstattung nicht interessiert ist. Jedenfalls ließ ihre eigene Recherche zu wünschen übrig, hat sie sich doch beim Zusammenschnitt der Basisfakten nur auf das gestützt, was ihr quasi schnittreif präsentiert wurde.

Schade drum….. Dieses Thema enthält soviel mehr an Hintergründen, die schlicht verschenkt und ignoriert wurden und mit ihnen ein wirklich einzigartiger und wertvoller Beitrag.

frau tv-Beitrag am Donnerstag

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, sendet frau tv (WDR) am kommenden Donnerstag, dem 15.9.2011, um 22 Uhr einen Beitrag zum Thema: “Mein Mann geht ins Bordell”. >>>Hier<<< geht’s zur Vorankündigung.

Ich bin schon sehr gespannt, was die zuständige Redakteurin aus dem Thema gemacht hat….. Eine “Nachlese” gibt’s nach der Sendung hier im Blog.

Mitverantwortung

Kürzlich erzählte eine junge Frau mir ihre Geschichte:

Das mittlere ihrer Kinder kam vor einigen Jahren mit einer seltenen Geschlechtskrankheit (die ihren Urspung in afrikanischen Ländern hat) an den Augen zur Welt. Das Ganze war ihr sehr peinlich, da sie dachte, sie als Mutter trüge die Schuld daran, obwohl sie ihrem Mann immer treu war. Ihren Versuchen, der Ursache für die Infizierung auf den Grund zu gehen, wich ihr Mann mit immer neuen Erklärungen aus. Auch den etwas später auftauchenden Tripper wusste er wortreich zu erklären….den musste er sich wohl irgendwo auf der Toilette eingefangen haben….

Wie es dann schließlich doch herauskam, wusste sie gar nicht mehr genau zu rekonstruieren. Es musste wohl eine Kombination aus verschiedenen verdächtigen Verhaltensweisen seinerseits gewesen sein, die ihr endlich die Augen öffneten: Ihr Mann war schon seit Jahren regelmäßiger Gast im Bordell (obwohl er es nur ansatzweise zuzugeben bereit war).  Die noch recht junge Mutter dreier kleiner Kinder war zutiefst verzweifelt und orientierungslos, wusste weder, wo sie Hilfe finden konnte noch fühlte sie sich in der Lage, ihre Kinder so zu versorgen, wie sie es von sich als Mutter erwartete. Sie kam mir vor wie ein Blatt im Wind, ohne Ziel, Perspektive und Orientierungshilfe…..

Die Ignoranz unserer Gesellschaft nimmt die seelischen Verletzungen einer solchen Frau nicht ernst, ja, GAR NICHT WAHR. Im positivsten Fall kommen Sprüche wie: “Verlass das Schwein!”, im negativsten “Na, dann musst du im Bett ja wohl versagt haben, wenn dein Mann sich das woanders sucht!”. Ich möchte diese Gedankenlosigkeit hier lieber nicht kommentieren (könnte sonst qualmen ;-) ),  sondern mal die Tatsache in den Vordergrund stellen, dass völlig Unbeteiligte (in diesem Fall das Baby) durch suchthaften Sexkonsum in Bordellen zu Schaden kommen (wenn seelisches Leid schon niemanden interessiert, dann vielleicht wenigstens das körperliche Leid unschuldiger Babys).

Da hört man in Prostituierten- und Freierkreisen immer wieder: “Heimlich gekaufter Sex ist kein Betrug, nimmt niemandem was weg und tut keinem weh!”

Liebe Freier: Das lasst euch doch noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen!!

Liebe Prostituierte: Euer Argument, ihr hättet nichts mit den Frauen und Kindern eurer Freier zu tun, schließlich kämen die Männer ja freiwillig…..und deshalb bräuchtet ihr kein schlechtes Gewissen zu haben oder euch sonstwie in irgendeiner Form darum zu kümmern, ob euer Tun richtig oder falsch sei…..die Verantwortung dafür läge schließlich beim Freier…..halte ich für ignorant, leichtfertig und oberflächlich.

NIEMAND kann sich der Mitverantwortung für sein Handeln entziehen. Jede unserer Handlungen betrifft immer auch andere Menschen, ob uns das nun passt oder nicht. Ein Autofahrer kann nicht sagen: “Ich bin nur für mich und die Insassen meines Fahrzeugs verantwortlich, der Rest der Verkehrsteilnehmer interessiert mich nicht.” Er ist genauso dafür verantwortlich, umsichtig und vorausschauend zu fahren, damit ALLE ANDEREN Verkehrsteilnehmer durch sein Verhalten im Straßenverkehr nicht zu Schaden kommen. Das gebietet die Achtung vor dem Leben und der Kreatur. Wer die nicht aufbringen will, verletzt nicht nur andere Menschen, sondern zu allererst sich selbst.

Wertschätzung für andere Lebewesen fängt bei mir selber an. Wenn ich vor meinem eigenen Leben keine Achtung habe, kann ich sie für andere schon gar nicht aufbringen. An dieser Gesetzmäßigkeit des Lebens führt auch kein intellektuelles Geschwafel über die Freiheit der Bedürfnisse vorbei. Wenn es andere verletzt, ist es keine Freiheit! Punkt! Freiheit entsteht nicht durch hemmunglosen, promiskuitiven Sex……….Freiheit beginnt im Geist und im Erkennen der eigenen inneren Grenzen und Widerstände. DIE Sexpraktik, die die von Freiern und Huren herbeigeredete Form der Freiheit hervorruft, müsste erst noch erfunden werden……wird sie aber nie……..da bin ich sicher.

Sexsucht

“Ich bin sowieso der Auffassung, dass das Aufsuchen von Prostituierten was mit Sucht zu tun hat… Aber ich glaub’, dass das grundsätzlich so ist. Inzwischen hab’  ich auch von den Sexualgewohnheiten vieler anderer Männer etwas mitbekommen und sehe, dass die ähnlich reagieren. Es werden immer mehr und immer andere Frauen, ein Fass ohne Boden, wobei du aber nie zufrieden bist. Fast jedes Erlebnis lässt dich mit der Frage zurück: Warum hast du das eigentlich gemacht? Und das hast du bei anderen Süchten auch; wenn du morgens total verkatert aufwachst, dann fragst du dich auch, warum du abends gesoffen hast. Und trotzdem tust du es vielleicht am nächsten Abend wieder.” (Rechtsanwalt, 40 Jahre)

“Alles, was mich an meinem Freierdasein stört, ist, dass es in gewissen Zeitabständen ganz zwanghaft ist. Ich komme nicht drum ‘rum; da kämpfe ich einen ganzen Tag und weiß genau, ich fall’ um. Ich habe es auch schon geschafft, nicht umzufallen, und habe wieder meine Ruhe gehabt… Warum ich dagegen kämpfe? Weil es mich einfach nervt, ich will nicht hin. Eigentlich will ich schon, aber meistens kommt es dann, wenn ich es mir überhaupt nicht leisten kann. Ja, Puffgehen ist volle Droge.” (Musiker, 25 Jahre)

Beide Zitate stammen aus dem Buch “Freier: Das heimliche Treiben der Männer”, das 1991 vom Prostituierten-Projekt Hydra herausgegeben wurde. Insgesamt etwas mehr als 25% der befragten Freier bezeichneten ihre regelmäßige Gewohnheit, Sex zu kaufen, als Form von Sucht, als zwanghaftes Verhalten, das nur schwer kontrolliert werden kann.

Im Jahr 2007 berichtete der Stern über sexsüchtige Menschen – und auch hier und hier gibt es ein paar allgemeine Informationen zum Thema. Das Netz ist voll davon, man sollte jedoch differenzieren. Das Buch von P. Carnes “Wenn Sex zur Sucht wird” aus dem Kösel Verlag soll sich fachlich fundiert mit dem Thema auseinandersetzen, ist aber derzeit im Buchhandel nicht erhältlich.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 500.000 Menschen sexsüchtig (die Dunkelziffer kann beträchtlich höher liegen), mehr als 80% davon sind Männer. Dass “Lust als Leid” empfunden werden kann, wird auch in diesem Artikel der FAZ aus dem Jahre 2009 deutlich und hier gibt es noch ein sehr hilfreiches Interview mit Prof. Dr. Uwe Hartmann von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Den wenigsten gewohnheitsmäßigen Freiern ist ein Zusammenhang zwischen ihrem Tun und seinem Suchtcharakter bewusst. Manchmal verlaufen die Grenzen zwischen “erhöhtem Sexkonsum” und “zwanghaftem Sexkonsum” fließend. Was die Selbsteinschätzung zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass aufgrund der freizügigen Darstellung in den Medien und dem Internet eher der als “unnormal” erscheint, der Sex nicht nach dem Motto “höher, weiter, schneller” lebt.

Egal, ob ein Freier nun einmal im Monat oder fünfmal pro Woche Sex kauft, ein sicheres Indiz für zwanghaftes, unreflektiertes Tun ist in jedem Fall das bewusste Ausblenden negativer Begleiterscheinungen: Dass er sich bei ungeschütztem Oral- und Geschlechtsverkehr Geschlechtskrankheiten zuziehen kann (die er dann an seine Partnerin weitergibt), dass er seine Partnerin durch den Vertrauensbruch und Betrug zutiefst verletzt und damit seine Beziehung gefährdet, dass er sich u.U. gesellschaftlich, beruflich und finanziell ins Aus schießt, dass er vor psychischen Problemen und Verletzungen flieht, die durch seine Freiertätigkeit – statt wie beabsichtigt gemildert – sogar noch verstärkt werden.  Am Ende befindet er sich in einem Hamsterrad, das sich von selbst dreht und aus dem er nicht mehr aussteigen kann.

frau TV sucht Interviewpartnerinnen

Eine Redakteurin von frau TV (WDR) trat an mich heran, weil sie einen Beitrag zum Thema meines Buches “Zwischenstopp in der Hölle: Mein Mann geht ins Bordell” drehen möchte, um Licht in die Hintergründe dieses “gesellschaftlich unsichtbaren” – man könnte auch sagen – “nicht existenten Geschehens” zu bringen.

Neben Fachleuten sollen Frauen zu Wort kommen (selbstverständlich geschützt und anonym), die erfahren haben, dass ihr Mann ins Bordell ging und die über ihre Gefühle und die Auswirkungen auf ihre Partnerschaft berichten möchten. Es wird Zeit, dass auch diese Betroffenen eine Stimme bekommen…….finde ich!

Wer darüber sprechen möchte, kann mir eine E-Mail schreiben.