Offener Brief der DIANA-Initiative zum
Offenen Brief von Hydra e.V. zur Sendung
Menschen bei Maischberger: Ob Billigsex oder Edelpuff – schafft Prostitution ab!
Liebes Hydra-Team,
in Ihrem offenen Brief werfen Sie der Maischberger-Sendung eine „unerträglich tendenziöse“ Debatte zum Thema Prostitution vor. Sie untermauern diese Einschätzung unter anderem damit, dass der „Ehefrau eines Prostitutionskunden nicht nur eine Plattform gegeben wurde, um ihre verletzten Gefühle kundzutun, sondern (dass diese) auch jede Menge Unsinn zum Thema Huren, Sexarbeit und Kondombenutzung verbreitete“. Dies sei „Desinformation, moralistische Stimmungsmache und mediale Effekthascherei“.
Wir, eine Gruppe von Frauen, deren Männer über Jahre heimlich ins Bordell gingen, möchten zu Ihrer Darstellung wie folgt Stellung nehmen:
Mindestens so groß wie die Anzahl der vom Thema betroffenen Prostituierten ist die Zahl der Frauen, deren Männer heimlich ins Bordell gehen. Seit Jahrhunderten werden Ehefrauen im Bordell betrogen. Seitdem halten sie still und melden sich nicht zu Wort, falls sie überhaupt davon erfahren. Jeder Fernsehkanal wird mit Bildern von Huren, Freiern und Bordellen überflutet, das Internet quillt von entsprechenden Plattformen über. Wenn also Prostituierten eine Stellvertreterin in der Debatte zusteht, sollte das den betrogenen Ehefrauen ebenfalls zugestanden werden. Wir finden, es kann nicht angehen, dass die Millionen Frauen, deren Männer einen Sexakt kaufen, von einer solchen Diskussion ausgeschlossen werden. Wie würden Sie es finden, wenn diese Diskussion von Freiern und ihren Frauen geführt würde, ohne dass man Sie zu Wort kommen ließe?
Der angebliche „Unsinn“ über die Kondombenutzung ist schnell widerlegt. Seit Jahren gibt es im Prostitutionsgewerbe eine immer rascher voranschreitende Tendenz, Oral- und Geschlechtsverkehr ohne Kondom anzubieten. Die Auswirkungen durch die Ansteckung der ahnungslosen Partnerinnen sind unkalkulierbar. Falls Sie diese Tendenz leugnen möchten, werfen Sie bitte einen Blick auf nachfolgende Links, die nur einen klitzekleinen Ausschnitt der im Netz verfügbaren Angebote darstellen:
http://naturservice.thumblogger.com
http://www.ao-poppen.com/fette-hure-ohn …
http://naturservice.ist-scharf.net
http://www.tabulose-huren.com/forumdisp … f535a8f52a
http://www.taz.de/!5819/
http://sexaffaire.net/ao-sex.html
http://www.erobella.de/14842/details
Zur von Ihrer Seite angemahnten „Emotionalisierung des Themas“:
Wir kennen keine Themen, die mehr Emotionalität enthalten als Sex, Gewalt, Missbrauch und Gier. Um diese Themen geht es im Zusammenhang mit Prostitution, ebenso wie um den seit Jahrhunderten bestehenden Geschlechterkonflikt. Es ist unmöglich, Emotionen dort herauszuhalten. Es zu versuchen, würde das Bild verfälschen und dann so klingen wie die asiatische Frau bei „Herr Eppert sucht den Pornostar“, die mit verzerrtem Gesicht beteuerte, dass es ihr wirklich viel Freude mache, von 20 und mehr wildfremden Männern mit Sperma bespritzt zu werden – im Gesicht, auf dem Körper, im Mund.
Zum Thema “moralistische Stimmungsmache”:
Uns würde sehr interessieren, was genau Sie damit meinen. Meinen Sie, dass Frauen, die es nicht “geil” finden, sich von wildfremden Männern für Geld “bespringen” zu lassen, unverbesserliche Spießbürgerinnen sind? Oder gar, dass Frauen, die sich nicht als “sexgeile Dreilochstute” sehen, die sexuelle Revolution nicht verstanden haben können?
Sie kritisieren weiterhin die Vorurteile und Schreckensszenarien, die die öffentliche Wahrnehmung der Branche prägen, weil Informationen nur aus zweiter Hand präsentiert werden.
Da stehen wir auf derselben Seite. Schluss mit Diskretion, Geheimhaltung, Tarnung und Lügen. Wenn alle Prostituierten zu ihrer Tätigkeit stehen und ihre Kunden anhalten, dasselbe zu tun, muss es keine Vorurteile und Schreckensszenarien mehr geben. Nur das liefert Anlass zur Spekulation, was unter dem Deckel gehalten wird.
Sie schreiben: „Wir können die Sprachklischees nicht mehr hören, die besagen, dass „Männer Frauen kaufen“ oder dass wir „unsere Körper verkaufen“.
Das halten wir für eine unmögliche Forderung. Eine Tatsache, die unbestreitbar ist, ist kein Sprachklischee, sondern eine Wahrheit, die auch durch Umdefinieren nicht unwahrer wird. Wer den Sexakt für Geld verkauft, verkauft seinen Körper. Und Männer, die Frauen dafür bezahlen, kaufen Frauen. Das lässt sich nur schwer verschleiern.
Sie schreiben: „Wir haben es satt, dass man uns Blauäugigkeit unterstellt, wenn wir der Sexarbeit selbstbestimmt, gern oder wenigstens ohne größere Probleme nachgehen.“
Wir sagen: Nicht Blauäugigkeit, sondern Selbstbetrug. Das ist keine Unterstellung, sondern eine für jeden fühlenden Menschen erkennbare Tatsache, die überdies dazu führt, dass sich die von vielen Huren beklagte “Stigmatisierung” von Prostituierten und ihren Kunden bis heute gehalten hat.
Sie schreiben: „Wir empfinden es als eine Verletzung unserer Menschenwürde, wenn branchenfremde oder interessegeleitete „Expertinnen“ uns die Probleme regelrecht einreden.“
Was glauben Sie, wie verletzt die Menschenwürde von Ehefrauen ist, deren Männer heimlich ins Bordell gehen? Und die ahnungslos mit der Ansteckungsgefahr einer Geschlechtskrankheit leben müssen? Deren Familien u. U. auseinanderbrechen? Die in finanzielle Schieflage geraten, weil ihr sexsuchtkranker Mann jeden Cent ins Bordell trägt? Die unter PTBS leiden, wenn sie es irgendwann erfahren? Die – ebenso wie ihre Kinder – in seelische Abgründe stürzen? Die sich verraten, betrogen, belogen und missbraucht fühlen? Zählen sie diese nicht zur großen Gruppe der vom Thema Prostitution Betroffenen? Haben diese kein Recht auf Menschenwürde?
Sie schreiben: „Der Gipfel der Heuchelei aber ist, uns mit der Forderung nach einem Prostitutionsverbot die Existenzgrundlage unter den Füßen wegziehen zu wollen und dabei auch noch so zu tun, als sei dies in unserem Interesse.“
Da haben Sie vollkommen Recht. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Prostituierte von einer Alice Schwarzer quasi “entmündigt” werden. Sie sollten die volle Verantwortung für ihr Tun und ihre Tätigkeit übernehmen und weder per Gesetz bevormundet werden, noch nach dem Staat rufen, um ihre Situation zu verbessern. Respekt und Anerkennung sollten nicht per Gesetz verordnet werden, sondern sich als natürliche Folge entsprechender Leistungen oder Geisteshaltungen einstellen.
Sie schreiben, Sie brauchen Respektkampagnen.
Respektkampagnen wofür? Für Ihre Tätigkeit? Gibt es denn auch Respektkampagnen für Putzfrauen, Handwerker oder Verkäuferinnen? Wer sollte diese Kampagnen initiieren? Und zu welchem Zweck? Oder möchten Sie, dass wir Ihnen Respekt zollen dafür, dass Sie verheiratete Männer bedienen und damit dem Betrug an ihrer Partnerin Vorschub leisten?
Sie schreiben: „Die Prostitution ist Teil unserer sexuellen Kultur. Sie verbieten zu wollen ist nicht nur unrealistisch, sondern ein Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht aller, die ihr ohne Zwang und Gewalt nachgehen.“
Ein generelles Verbot der Prostitution halten wir auch für keine wirkungsvolle Lösung, allerdings stimmt Ihre Schlussfolgerung nicht. Ein Verbot würde nicht in die sexuelle Selbstbestimmung eingreifen, sondern lediglich den gewerblichen Handel mit dem Sexakt unterbinden. Sie könnten Sex haben, mit wem Sie wollen, Sie könnten nur kein Geschäft draus machen.
Sexuelle Selbstbestimmung heißt nicht nur: Ich darf promiskuitiv leben. Sexuelle Selbstbestimmung heißt auch: Ich darf mir aussuchen, ob ich einen promiskuitiven Partner will oder nicht. Eine Frau, die heimlich von ihrem Mann im Bordell betrogen wird, hat diese selbstbestimmte Wahl nicht.
Wenn wir als Menschen und als Kultur wachsen und reifen wollen, brauchen wir keine Prostitution, sondern klare, bewusste und reife Männer und Frauen, die in der Lage sind, eine reife, authentische Beziehung zu führen. Dieser Teil unserer sexuellen Kultur ist im Begriff, sich zu überholen.
Sie widersprechen Alice Schwarzer, wenn sie sagt „bei der Prostitution ginge es nicht um Sex, sondern um Macht.“
Wir möchten Alice Schwarzers Argumentation nicht 1 zu 1 zustimmen. Wir möchten sie erweitern: Bei der Prostitution geht es oft nur nebensächlich um den eigentlichen Sexakt. In den meisten Fällen geht es um Macht und/oder Ohmacht, um Sucht und Süchtige, um in ihrer Kindheit schwer verletzte Männer und Frauen, um Missbrauchserfahrungen (emotional wie körperlich), um Konfliktvermeidungsstrategien, um Gier, Rachegefühle und ein subtiles Belohnungs- und Bestrafungssystem, wie wir aus vielen Gesprächen mit unseren Männern und anderen Freiern wissen. Dass der oberflächliche Kontakt zwischen Prostituierten und Freiern durchaus “freundliche und respektvolle” Züge haben kann, wollen wir gar nicht in Abrede stellen. Ein Großteil der Freier sind “Muttersöhnchen”, beziehungsunfähig, weil sie ihre Wünsche und Bedürfnisse einer gleichberechtigten Partnerin gegenüber nicht äußern können. Diese Männer sind in der Regel respektvoll und freundlich im Umgang, weil sie nie lernten, gegen ihre eigene Mutter aufzubegehren.
Sie widersprechen der Aussage, Kunden gingen zu Prostituierten, weil sie unreif sind, ihre Partnerinnen zu selbstbewusst, weil sie sich Beziehungen entziehen und sich den Frauen nicht stellen wollten.
Freier bilden – äußerlich betrachtet – in der Tat eine heterogene Gruppe und ihre bewussten Motive mögen durchaus unterschiedlicher Natur sein. Was ihre inneren Motive betrifft, unterscheiden sie sich kaum voneinander. Ein Mann, der sich seiner Partnerin stellen kann, der Konflikte mit ihr austragen, Wünsche äußern und bewusst und zielstrebig an seiner Beziehung arbeiten kann, hat es nicht nötig, für den Sexakt zu bezahlen. In einer gesunden und intakten Beziehung HAT er den Sex, den er sich wünscht. Ein rein mechanischer Akt nach der Uhr und für Geld kann diesem Sex nicht das Wasser reichen. Ein Mann, der das erlebt hat, wird nie wieder zu Prostituierten gehen. Da dem Freier diese Erfahrung fehlt, kann er nur als unreif bezeichnet werden.
Zum Schluss möchten wir festhalten: Auch wir halten ein Prostitutionsverbot für wirkungslos.
Wir möchten auf etwas Anderes hinaus: Wir anerkennen durchaus, dass die Organisation Hydra und die ihr angeschlossenen Prostituierten ein Interesse daran haben, “sauber” zu arbeiten. Wir anerkennen ebenfalls, dass für Sie Oral- und Geschlechtsverkehr ohne Kondome und Dental Dams Tabus sind. Wir möchten hier den Vergleich mit dem Versicherungsgewerbe anführen. Dort gab es viele “schwarze Schafe”, die den rechtschaffenen Versicherungsmaklern durch den Imageverlust der gesamten Branche das Leben schwer machten. Der Gesetzgeber reagierte und erließ ein Gesetz, dass eine Dokumentationspflicht für Makler einführte. Wer dieser nicht nachkommt, kann von einem geprellten Kunden in Regress genommen werden. Da Sie selbstbestimmt arbeiten und den Markt “sauber” halten wollen, muss es in Ihrem Interesse liegen, für einen höheren Qualitätsstandard zu sorgen. Dieser sollte folgende Punkte enthalten:
1. Gesundheitsvorsorge: Keine sexuellen Handlungen ohne Kondom.
2. Sicherstellung, dass die sexuelle Selbstbestimmung anderer, indirekt beteiligter Menschen nicht verletzt wird, was im Klartext bedeutet: Kein Geschäft mit verheirateten/gebundenen Männern, die sich heimlich zu Ihnen schleichen wollen.
3. Keine Schwarzarbeit, sondern Zahlung gegen Quittung oder Rechnung, so wie in jedem anderen Dienstleistungsgewerbe auch.
Die saubere Einhaltung dieser Verantwortlichkeiten würde – da sind wir uns sicher – zu einer rasanten „Entstigmatisierung“ Ihres Gewerbes führen, Ihren Arbeitsalltag erleichtern und die Anerkennung für Ihre Tätigkeit automatisch nach sich ziehen.
Mit freundlichen Grüßen
Die DIANA-Initiative




